Der günstige Preis

(1996)
Vom “Vorteil” des ganz besonders günstigen Preises

Fein, wenn man als Verbraucher (privat oder gewerblich – ist egal in dem Fall), ein Ding besonders günstig erstehen kann. Wohlgemerkt günstig, nicht billig! (Also ich rede hier vom gleichwertigen Produkt zum geringeren Preis). Aber es wäre uns allen von Vorteil, wenn mancher Verbraucher über seinen Tellerrand sehen würde. Zum Glück tun dies schon einige.
Preisunterschiede haben die unterschiedlichsten Gründe, aber was mir elend schwer im Magen liegt, sind Preisgestaltungen, die mit Wirtschaftlichkeit nichts zu tun haben:

Z.B.: Ein gebrauchter Bundesbürger -nennen wir ihn Hardy- in Ossiland auf Urlaub – wie schön. Und weil er ja ohnehin fahren muss, sammelt er unterwegs paar Aufträge ein und rühmt sich noch, wie günstig und zu welchem großen Vorteil er doch den “armen” Ossis zu Hilfe eilt.
Mit den Aufträgen für Hardy wandert auch das Geld (hunderte km) von dannen, das doch eigentlich hier bleiben sollte, um wieder bei weiteren (“armen”) Ossis Früchte tragen zu können.
Würde Hardy seinen Urlaub als Arbeit verstehen und so abrechnen (und mindestens die anteilige Zeit ist ja wohl Arbeit), müsste er teurer verkaufen – eben so, wie der redlich arbeitende Ossi. (Der “kocht” nämlich mit gleichem Wasser wie der “von West”.)
Warum, Hardy, verschenkst du also Ossis Arbeit ? Ich fahre doch auch nicht nach NRW, um in meinem Urlaub deine Kunden anzubaggern.
(PS: Kein falscher Lokalpatriotismus! Egal woher – überall gibts solche und solche.)

Rentner X ist es leid, „nix“ zu tun. Also beschließt er, der Gemeinschaft “was gutes” zu tun. Er arbeitet für andere. Aber für gerade mal so viel Knete, daß er seine Kosten bestreiten kann und weiter Rentner sein darf.
Der Kunde freut sich: SO BILLIG! Das dumme an der Sache: Rentner X arbeitet de facto zum Null-Lohn.
Die auf gleichem Gebiet tätigen Gewerbetreibenden können sich ihren Unterhalt nur schwer verdienen, weil Rentner X seine Dienste verschenkt (bzw. sich von öffentlichen Trägern wie z.B. Rentenzahlern bezahlen lässt).
Warum boykottieren nicht wenigstens öffentliche Auftraggeber diesen Rentner ??? … nein, man klopft ihm auf die Schulter: “Fein gemacht, Rentner X! Hast schön billig gearbeitet und wir können uns rühmen, sparsam mit Geld umzugehen.”

Heinz Y macht sich selbständig. Klasse! Und weil er so mutig ist, unterstützt ihn z.B. das Arbeitsamt mit Lohnkostenzuschüssen. Das erleichtert den Anfang. Super!
Heinz Y nutzt aber die Zuschüsse nicht, um Anfangsinvestitionen zu tätigen, Personal anzulernen oder ein bißchen Speck für schlechte Zeiten anzusammeln. Er drückt seine Verkaufspreise! – Der Kunde freut sich. So günstig kann kein gestandenes Unternehmen anbieten. Die Folge: Der alte Unternehmer hat das Nachsehen und Heinz hat spätestens dann ein Problem, wenn die Förderung zu Ende ist und/oder schlechte Zeiten nahen.
Aus der Sicht eines Mitbewerbers kann der dem Heinz nur viele Reklamationen und möglichst schnell schlechte Zeiten wünschen. Und das Arbeitsamt: Na, die sind ja erst beschäftigt …

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